
Herr Moser, Sie sind Transfermanager für Informationstechnologie der ARCS. Was macht ein Transfermanager? Wo ist der Unterschied zum Innovationsmanager?
David Moser: Forschungsunternehmen sind darauf bedacht, die von ihnen entwickelten Ergebnisse möglichst effizient zu verwerten. Dies kann durch Patente, wie auch durch eine direkte Überführung in die wirtschaftliche Anwendung in Form von kooperativen Forschungsprojekten oder Auftragsforschung erfolgen. In den Austrian Research Centers wurde dafür bereits 1987 ein Technologie Transfer Zentrum, mit Sitz in Leoben, eingerichtet, dessen Mitarbeiter sich im Speziellen mit dem Transfer von Wissen aus der Forschung in die Industrie beschäftigten. Im Unterschied zu einem Innovationsmanager geht es bei unserem Job weniger um das Finden von neuen Ideen, als vielmehr um die Markteinführung von neuen Produkten und neuen Dienstleistungen.
Wie viele Projekte / Kunden betreuen Sie im Schnitt pro Jahr?
David Moser: Neben unserer Transfertätigkeit für die ARC führen wir ca. 20 - 30 Beratungsprojekte für österreichische Technologieunternehmen durch. Bei diesen Projekten handelt es sich vor allem um Themen in den Bereichen Technologiemarketing (Neue Produkte auf neuen Märkten), Innovationsmanagement, Patentmonitoring und Qualitätsmanagement.
Das Wort "Innovation" besitzt gerade in Österreich durch Schumpeter Tradition. Wie beurteilen Sie aktuell den "Innovationsgeist" des Landes - auch im Vergleich zu anderen Ländern?
David Moser: Ich denke, dass die österreichischen Unternehmen über einen ausgeprägten Innovationsgeist verfügen, denn ansonsten wären viele unserer Produkte und Dienstleistungen nicht weltweit für ihre hohe Qualität und Beständigkeit bekannt. Natürlich wird uns im Vergleich zum Angloamerikanischen Raum immer wieder fehlende Risikobereitschaft bei der Realisierung von Innovationen nachgesagt, jedoch denke ich dass dies auch viel mit kultureller Prägung zu tun hat. Meiner Meinung hängt Innovationsgeist auch stark mit Problemlösungsdruck zusammen, d.h. steigt die Anzahl der Probleme so muss zwangsläufig mehr Innovationsgeist zum Finden von Lösungen aufgebracht werden. Das bedeutet die Zeichen stehen gut für den österreichischen Innovationsgeist!
Ist der Weg von der Idee zum Markt in Österreich noch zu steinig? Wenn ja, was könnte man hier wie aus Ihrer Sicht verbessern?
David Moser: Obwohl es viele öffentliche und nicht-öffentliche Stellen gibt, die sich der Thematik annehmen, ist es für einen "Neuling" mit einer guten Idee noch immer schwierig diese zu realisieren. Natürlich gibt es die immer wieder genannten externen Schwierigkeiten wie Förderdschungel oder mangelnde Bereitschaft für Risikofinanzierung.
Ich denke jedoch es gibt auch einige "interne" dh. persönliche Faktoren, die einer erfolgreichen Markteinführung im Wege stehen. Neben Technikverliebtheit oder Ignoranz gegenüber Marktgegebenheiten schrecken viele Ideenträger davor zurück, Ihren Geistesblitz jemanden mitteilen. Angst vor Ideendiebstahl oder -missbrauch sehe ich als Hauptgründe. Jedoch wird damit die Chance vertan die Idee zur Diskussion zu stellen und wichtiges Feedback für eine erfolgreiche Verwertung zu generieren. Ich denke ideenreich.at geht hier den richtigen Weg indem die Plattform als Kommunikationsdrehscheibe zwischen Interessierten dient und somit den öffentlichen Gedankenaustausch forciert.
DDipl.-Ing. (FH) David Moser ist Transfermanager für Informationstechnologie der ARCS und seit April 2006 Mitglied im ideenreich.at-ExpertInnen-Team.
Wir danken für das Interview!
August 2006