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Mag. Georg Kroiss

Foto Mag. Georg Kroiss

Herr Mag. Kroiss, Sie sind seit Oktober 2006 bei INiTS als Gründerberater tätig. Können Sie uns bitte kurz Ihre Aufgabengebiete beschreiben? 
 
Mag. Kroiss: Mein Hauptaufgabengebiet ist die Betreuung von Projekten aus dem INiTS-Inkubator. Daneben führe ich Erstgespräche durch und unterstütze bei der Antragsstellung, moderiere Informationsveranstaltungen und bin laufend am Ausbau unseres Kontaktnetzwerks engagiert. 

Wie weit muss eine Idee bereits gereift sein, um für den Inkubator in Frage zu kommen?  
 
Mag. Kroiss: Eine Idee muss so ausgereift sein, dass innerhalb von 18 Monaten der Markteintritt – und sei es nur ein erster friendly customer –  und die Sicherstellung der Finanzierung für die erste Phase möglich sind. So lange dauert unsere Betreuung im Inkubator maximal. Die einzige Ausnahme ist hier der life-science-Bereich, insbesondere bei Biotech Projekten gelten ganz andere timelines.

18 Monate klingt jetzt vielleicht lang, es wird jedoch oft unterschätzt, wie lange manche Vorlaufzeiten (z.B. im Vertrieb) dauern und dass es natürlich auch Rückschläge gibt, wo man nochmal ein, zwei Schritte zurück muss, z.B. um einen Prototypen anzupassen.

Der Businessplan muss noch nicht fertig sein. Es muss jedoch Überlegungen zu den wichtigsten Kernfragen - zumindest in Ansätzen - vorhanden sein: Welches Problem soll mit der Idee gelöst werden? Gibt es einen Bedarf dafür? Wer/Wo ist die Zielgruppe? Wie groß ist das Marktpotential? Welcher Aufwand ist mit der Erstellung eines Prototypen verbunden? Den INiTS Antrag kann sich jeder auf inits.at herunterladen, aus ihm sind diese Fragen ersichtlich.

Bei INiTS handelt es sich um ein Programm im Rahmen der AplusB-Zentren. Heißt das, dass nur Akademiker Ihre Leistungen in Anspruch nehmen können?  
 
Mag. Kroiss: In jedem  Projekt muss mindestens ein Team-Mitglied einen akademischen Abschluss haben.

Angenommen, die hier genannten Voraussetzungen liegen vor: Wie schafft man es in den INiTS Inkubator? 
 
Mag. Kroiss: Nun, zunächst gibt es ein Erstgespräch. Da geht es um die Klärung der wichtigsten Fragen rund um die Idee. Wichtig ist auch immer die Frage der Motivation, die hinter dem Wunsch der Firmengründung liegt. Auf unserer Website bieten wir übrigens einen Leitfaden als Vorbereitung für das Erstgespräch an.

Bereits im Erstgespräch zeigt sich meist schon, ob die Idee Chancen hat, in den Inkubator aufgenommen zu werden. Fällt diese Beurteilung positiv aus, wird - mit Unterstützung von INiTS - das Geschäftskonzept ausgearbeitet und dann dem Projektbeirat präsentiert. Stimmt der Projektbeirat der Aufnahme zu, dann wird das Projekt in den Inkubator aufgenommen.

Wie lange werden die Projekte im INiTS Inkubator betreut und wie sieht die Betreuung aus? 
 
Mag. Kroiss: Die Projekte sind bis zu einer Dauer von maximal 18 Monaten im Inkubator. Unsere Leistung ist eine Kombination aus Beratung und finanzieller Unterstützung -gegenwärtig bis zu EUR 35.000,- cash und rund EUR 15.000,- in-kind Leistungen des Zentrums, die Beträge können sich jedoch je nach Finanzsituation stark ändern.  Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade diese "Mischung" ein wichtiger Erfolgsfaktor ist bei der Gründerunterstützung und durchaus auch als ein USP von INiTS bezeichnet werden kann.

Unser Beitrag ist als "Hebel" zu sehen und zielt darauf ab, wiederum andere Gelder für das Gründungsprojekt hereinzuholen, sei es durch Förderungen und/oder Investoren. Grob gesprochen reden wir hier pro Projekt von Beträgen in der Höhe von ca. EUR 100.000 - 150.000.

Sie sprachen vorhin von der Gründer-Motivation? Können Sie Ihre Erfahrungen dazu bitte noch ein wenig näher ausführen?

Mag. Kroiss: Nun, es ist ganz wesentlich, dass sich jeder Gründer, jede Gründerin selbst darüber im Klaren ist, welche Motive er oder sie mit der Selbständigkeit verfolgt.

"Keinen Chef mehr haben wollen" ist noch keine Grundlage für Erfolg. Auch die Überzeugung, eine tolle Idee zu haben, reicht nicht. Ideenreichtum bedeutet noch nicht zwingend Geldreichtum, tolle Ideen gibt es wie Sand am Meer, was zählt ist die erfolgreiche wirtschaftliche Umsetzung.

Ein Unternehmen zu gründen ist ein Knochenjob und erfordert viel Eigenmotivation und Durchhaltevermögen. D.h. man braucht wirklich eine unternehmerische Motivation und den Willen, selbst ein Unternehmen aufzubauen.

Können Sie den typischen "INiTS-Gründer" beschreiben? 

Mag. Kroiss: Also grob kann man bei "unseren" Gründern in zwei Typen unterscheiden. Die eine Gruppe, ich bezeichne sie jetzt mal als "Universitäre Erfinder", entdecken meist im Rahmen einer Diplomarbeit, einer Dissertation oder eines Forschungsprojektes an der Universität eine Idee mit Marktpotential. An dieser Stelle möchte ich übrigens unseren INiTS-Award erwähnen, der sich speziell auch an diese Zielgruppe richtet.

Die zweite Gruppe, die nenne ich jetzt mal die "Praktiker", das sind Personen, deren wissenschaftliche Arbeit schon länger zurückliegt, die in der Wirtschaft unselbständig tätig sind und einen Bedarf am Markt entdecken, der noch nicht befriedigt wird und für den sie eine Lösung sehen.

Wie erfolgt der Ausstieg aus dem Inkubator nach Ablauf der 18 Monate? 

Mag. Kroiss:  Der Ausstieg erfolgt nicht abrupt sondern wird schon früh eingeleitet. Denn wichtig ist, dass keine Abhängigkeit von uns entsteht und das Unternehmen selbst handlungsfähig ist. D.h. während die Betreuung zu Beginn sehr intensiv ist, versuchen wir uns im Lauf der Zeit sukzessive zurückzunehmen. Nach spätestens 12 Monaten sollte das Team schon weitgehend vollständig sein, so dass die verbleibenden 6 Monate für Teambuildung genutzt werden können, zur Klärung von Zuständigkeiten und Abläufen, klaren Verantwortungen.

Wichtig bei unserer Betreuung ist auch, dass wir den Gründern nichts "abnehmen" sondern sie coachen und beraten. Wir helfen dabei, die Entscheidungsbasis zu verbessern, wir geben Inputs (z.B. bei vertraglichen Angelegenheiten), wir stellen Kontakte her, usw., handeln kann aber nur der Gründer selbst. Neben der Rolle als Coach und als Berater gibt es auch die Rolle als "Controller", und zwar in dem Sinn als dass gewisse Rahmenbedingungen für Projekte im Inkubator einzuhalten sind (Stichwort "Fördergelder").

Wenn wir nun einige LeserInnen auf ideenreich.at neugierig gemacht haben: Gibt es auch eine unverbindliche Möglichkeit zur ersten Kontaktaufnahme mit INiTS? 

Mag. Kroiss:  Ja, selbstverständlich. Es gibt z.B. regelmäßig unsere Workshops mit dem Titel "Idee - was nun?". Diese Veranstaltungen dauern ca. 1,5 Stunden und bieten eine gute Möglichkeit für ein erstes Kennenlernen und Abschätzen weiterer möglicher Schritte für die eigene Idee.

Wir danken für das Gespräch!
Juli 2007

Über INiTS
INiTS ist das Wiener Zentrum des AplusB-Programms (Academia plus Business) des Infrastrukturministeriums (BMVIT), durch das bundesweit mehr wissens- und technologiebasierte Unternehmen gegründet werden sollen.

Zielgruppe der Gründerinitiative sind alle akademischen Einrichtungen in Wien, speziell alle Absolventen, Mitarbeiter und Studenten der TU-Wien, der Universität Wien, der BOKU-Wien, der FH-Campus Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinische Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und der FH-Technikum Wien. Unsere Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik, Life-Science und allen anderen Forschungsbereichen.

Nähere Infos auf www.inits.at


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