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Dr. Christoph Hienerth

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Herr Dr. Hienerth, an der Abteilung für "Entrepreneurship and Innovation" an der Wirtschaftsuniversität Wien beschäftigen Sie sich unter anderem auch mit der sehr frühen Phase der Innovation. Wann ist eine Idee gut und wie lassen sich gute von weniger guten Ideen unterscheiden? 
 
Dr. Hienerth: Aus bestehenden Studien wissen wir, dass die Erfolgsraten von Ideen in ganz frühen Phasen eher gering sind. Das liegt daran, dass man zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenig über den Markt oder Konkurrenz oder überhaupt zur technischen Realisierung weiß. Wichtig ist in dieser Phase, auch gerade wenn es um einen Ideenwettbewerb geht, dass die grundlegenden Charakteristika der Idee und erste Anknüpfungspunkte zum Markt und zu Konkurrenzprodukten sauber dargestellt werden. Dann fällte es leichter, über die Idee zu diskutieren bzw. sie auch zu bewerten.
 
Welche Abschnitte kennzeichnen den Weg von der Idee zum Markt und wo liegen die Hürden, die es zu meistern gibt? 
 
Dr. Hienerth: In der Literatur wird dieser Weg in den so genannten "Stage Gate" Modellen als Stufenprozess beschrieben. Wir befinden uns mit den vorliegenden Ideen im "Fuzzy Front End". Fuzzy bedeutet, dass man noch nicht genau planen kann, welche Stufen wie erfolgreich abgeschlossen werden. Weitere Entwicklungsschritte sind dabei etwa die Erarbeitung eines Konzeptes, die technische Entwicklung, Bau von Prototypen, Markttests und schließlich die Einführung in den Markt. Je besser die ganz frühen Phasen gemeistert werden, desto höher ist auch die Erfolgswahrscheinlichkeit in späteren Phasen bis hin zur Markteinführung. Generell muss man sich aber bewusst sein, dass es sich immer um einen Auswahlprozess handelt und nicht alle Ideen in den Markt kommen können. 
 
Lt. Thomas A. Edison basiert Genie zu 1% Prozent auf Inspiration und zu 99% auf Transpiration." Wie sieht es im Bereich Innovation aus? 
 
Dr. Hienerth: Sehr ähnlich. Gewisse Hausaufgaben müssen erledigt werden, um erfolgreich zu sein bzw. um überhaupt eine Bewertung und Weiterentwicklung einer Idee zu ermöglichen. Wir haben in den letzten Jahren aber immer wieder auch die Erfahrung gemacht, dass Innovation kein linearer Prozess ist. Das heißt, man kann die Entwicklung einer Idee nicht vom ersten Tag weg planen sondern muss auch mit unerwarteten Ereignissen zu Recht kommen. Gerade dann heißt es von neuem planen, wieder überdenken, weiter entwickeln, neu ausrichten. Das erfordert natürlich auch insgesamt eine große Kraftanstrengung. Bei viel versprechenden Innovationen zahlt sich dieser Aufwand aber aus bzw. macht er dem Innovator auch Spaß. 
 
Ein Schwerpunkt der Forschung an Ihrem Institut liegt im Bereich der "User Innovation". Was ist hiermit gemeint und welche Vorteile bietet diese Methode? 
 
Dr. Hienerth: User Innovationen sind Innovationen, die vom Anwender kommen. Es gibt Studien zu Innovationen in vielen unterschiedlichen Branchen und es hat sich gezeigt, dass nicht nur Firmen innovativ tätig werden, sondern sehr oft auch die Anwender. Diese haben gegenüber etablierten Firmen gewisse Vorteile: Sie haben bereits viel Erfahrung in ihrem Innovationsbereich, befinden sich in Netzwerken von Gleichgesinnten, die an ähnlichen Innovationen arbeiten und setzen Ressourcen sehr effizient ein. Oft sind sie den Firmen im Entwicklungsprozess voraus, weil sie sehr spezielle Bedürfnisse haben, die von bestehenden Firmen nicht abgedeckt werden. Auf diese Art und Weise können radikale Innovationen und neue Märkte entstehen. In der Forschung geht es jetzt darum, wie man User Innovationen bestmöglich fördern und in den Innovationsprozess einbauen kann. 
 
Beim Wort "Innovation" denken viele an den besagten "Geistesblitz". Kann man auch auf Kommando kreativ sein? 
 
Dr. Hienerth: Ich möchte die Frage etwas anders formulieren: Muss ein und derselbe Mensch gute Ideen haben und diese auch selbst umsetzen können? Dann ist die Antwort nein. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sehr viele gute Ideen gibt, die eher darauf warten, entdeckt und umgesetzt zu werden. Meiner Meinung nach geht es also nicht immer nur um den "Geistesblitz" sondern die richtige Suche und Verwertung von Ideen. Unterschiedliche Personen haben unterschiedliche Stärken und je nachdem werden manche Personen bessere Ideen haben und andere Personen bessere Entwickler und Umsetzer sein. Uns geht es daher vor allem darum, die richtigen Personen zusammenzuführen und damit Ideen optimal zu entwickeln. Wir haben dieses Modell in vielen Projekten in der Lehre mit unseren Studenten erprobt und sehr erfolgreich umgesetzt. Es gibt sehr viele Ideen, die vorhanden sind und jahrelang nicht umgesetzt werden weil die entsprechenden Akteure fehlen. Das ist schade und sollte sich ändern. Ideenreich ist eine optimale Plattform, um unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und genau diesen Prozess der Ideenfindung und -entwicklung zu ermöglichen.

Dr. Christoph Hienerth ist Mitarbeiter am Institut für "Entrepreneurship and Innovation" an der WU-Wien. Er ist Mitglied im ideenreich.at-ExpertInnen-Team.


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